20 Uhr Konzert von Quantensprung

Zum Abschluss der Feierlichkeiten gab es nochmals urchige Klänge zu hören. Aber nicht einfach nur traditionell urchige. Die Band Quantensprung verstand es, selbst mich Volksmusikmuffel mit teils schrägen, teils beinahe jazzigen Arangements in ihren Bann zu ziehen.

Mal erinnerten einige Takte an Klezmermusik und mal an die Schlachtplatte von Patent Ochsner.

Quantensprung

19 Uhr - das Festessen

Menu

Gemischter Salat

***

"Romooser Sunntigsbrate"
Schweinsbraten
Kartoffelstock
Bohnenbündeli und Rüebli

***

Trio Mousse
Passionsfrucht-, Stracciatella- und Schoggimousse





wir wählten dazu folgenden Wein:

Cuvée rouge de l'Abbaye AOC 2004
Syrah - Merlot - Huagne rouge - Conalin
50 cl für CHF 19.50


übrigens, im Hotel Kreuz Romoos bei Sonja und Hanspeter Wigger - Unternährer gibt es auch ein eigenes Kulturmenü, welches sich zu testen lohnt!


18 Uhr Literatur - Fussball

Der Kulturminister liess dem Publikum die Wahl (oder stellte er es vor die Wahl,) ob Literatur oder Fussball Europameisterschaft

Eigentlich ist doch beides Kultur, oder? Lesen Sie dazu meinen Beitrag

Ich und mit mir die Mehrheit der Anwesenden haben sich jedenfalls für Literatur entschieden. Die Lesung gestalteten die drei Schriftsteller Thierry Luterbacher, Gérald Chevrolet und Dominik Riedo. (Links siehe hier)

Den Anfang gestalte Thierry Luterbacher mit zwei Texten, welche er Miles Davis und einem französischen Musiker widmete.

Dominik Riedo las anschliessend einige kurze Gedichte, die durch ihren Wortwitz überzeugten und des öftern zum Schmunzeln anregten. Oder können Sie sich auf Anhieb vorstellen, warum ein Papst keine Zahnlücke haben darf? Riedo erklärt es Ihnen gerne.

Den Abschluss bildete Gérald Chevrolet mit seinen Dialogen auf Französisch und Schweizerdeutsch. Die beiden Figuren Mol und Grad liefern sich witzige Wortschlachten, die wohl manchen an Mani Matters Werk erinnern. Sei es nun, wenn "Mol" eine imaginäre Skulptur vorstellt und "Grad" dann schaut, dass "Mol" nicht in seinen ebenso imaginären Graben fällt. Oder sei es, wenn die Poesie ein Rezept für die Liebe verspricht, es jedoch abermals nicht halten kann.

So gesehen war es gut, dass gleich anschliessend das Festessen aufgetischt wurde und das Resultat des Fussballspiels verkündet wurde. Auf einen Schlag waren wir wieder zurück in der Realität.

16.30 Besuch des Köhlermuseums in Romoos

Paul Duss lud die anwesenden Kulturinteressierten anschliessend zur Besichtigung des Köhlermuseums in Romoos ein. In einem spannenden Vortrag hat Herr Duss den Anwesenden die Köhlerei und ihre Bedeutung für die Bergbauern näher gebracht.

Die von Generation zu Generation weitergereichte Tradition erfuhr noch vor wenigen Jahren eine grosse Veränderung. Denn Plötzlich wurde in den damals noch von Moos , später swiss steel Eisenwerken in Emmenbrücken keine Holzkohle mehr verwendet, sondern Steinkohle aus Deutschland.

So mussten sich die Bauern einen neuen Absatzkanal suchen und fanden ihn in der Holzgrillkohle für die Ottos Läden. Kleine Holzkohleresten werden heute auch an Schweinemäster verkauft, die diese dem Futter beimischen. So seien die Tiere weniger anfällig auf Krankheiten.

Modell eines Köhlers

Übrigens, ein solcher Kohleberg kann gut und gerne zwei bis drei Wochen brennen und muss dabei unter ständiger Beobachtung bleiben! Mehr Details finden Sie auf der Page des Museums

Grussworte an die Kultur um 15.45 Uhr

Gemeindepräsident Franz Koch teilt den Besuchern aus nah und fern stolz, mit dass Romoos bereits 1184 in Kirchenbüchern erstmals urkundlich erwähnt wurde. Trotzdem denke noch manch einer heute, Romoos sei abseits jeglicher Zivilisation und es gehe vergessen, dass man nur gerade 30 Minuten von Luzern weg sei und dafür aber manche Vorteile habe.

Früher habe Romoos noch 1650 Einwohner gehabt, heute seien es noch gut halb so viele. Deshalb sei es gut, dass man durch das Biosphären Reservat der Unesco und jetzt eben durch den Kulturminister Dominik Riedo wieder etwas Publizität erhalten habe. Und weil es doch überall Botschafter für Sport, Länder und manch andere gute Sachen gebe, möchte er jetzt alle Anwesenden zu Botschaftern für Romoos ernennen, sodass man das kleine, aber schöne Dorf in Zukunft weiterhin rege besucht werde.

(Hiermit hätte ich zumindest meine Botschafterrolle bereits wahrgenommen! Hoffen wir es klappt!)

Nationalrat Ruedi Lustenberger liess sich von Riedos Buch "Metamorphosen" zu einem literarischen Rundumschlag inspirieren, welcher von den Römern über Frisch, Süskind zu Reinhard May führte. So lehrte er das Publikum, dass Kultur immer direkt oder indirekt mit der gesellschaftlichen und der politischen Entwicklung zu tun habe.
Daraus folgerte er, dass es, wenn es der Gesellschaft schlecht ergehe, auch der Kultur so gehe. Deswegen müsste jetzt doch eine Hochzeit der Kultur herrschen. Quantitativ seien es sicher soviele Kulturschaffende wie nie zuvor und die qualitative Betrachtung sei bei Kulturellen noch schwieriger als bei Politikern.
Und oft entdecke man den Wert des Künstlers oder seines Werkes eben erst im Nachhinein - sprich nach seinem Tod.
Deshalb sollten die Politiker sich hüten, Kulturschaffende einzuschränken. Alle dürfen sich ausdrücken, sagte Lustenberger weiter, aber Anstand sollte gewahrt bleiben - Anstand gegenüber denjenigen, die anders denken.

Dominik Riedo dankte anschliessend den Rednern sowie Robi Duss, welcher das Dorf noch am Morgen mit Fahnen geschmückt hatte. In seinen abschliessenden Worten fragte er das Publikum, an welchem Ort der Kulturminister in den letzten Monaten wohl an einem kulturellen Anlass anzutreffen gewesen sein könnte. Nicht Zürich, nicht Bern, in Romoos war er am häufigsten. (57 Kulturveranstaltungen in Romoos / 46 Mal in Luzern / 13 Mal in Bern / neben vielen anderen Orten!)

Kultur findet eben nicht nur in grossen Metropolen statt, sondern auch (und manchmal sogar vorallem) in vielen kleinen Dörfern auf dem Lande! Auch wenn diese Kultur von den Medien und in den medialen Städten eben weniger wahrgenommen wird.

Willkommensapéro in Romoos

Langsam aber sicher trudeln die Gäste ein, viele kennen sich, manche auch nicht. Das Publikum gemischt aus Dorf und Lokalprominenz, Kulturorganisatoren aus der Zentralschweiz und Kulturfreunden.

Gerold Unternährer erklärt, wie man Gold waschen muss - und tatsächlich, Sepp Wicky wird als erster fündig!

Sepp Wicky am Goldwaschen

Neben Sepp Wicky trifft man auch den Pfarrer aus dem Dorf (der sich leider für das Abendprogramm entschuldigen muss, da man bekanntlich am Samstagabend auch einen Gottesdienst feiere), selbstverständlich den Kulturminister und sein Backoffice, respektive seine Erfinder (Adi Blum und Beat Matzenauer).

Adi Blum, Christian Vanney, Beat Mazenauer

Aber auch Jlanit Schumacher & Beni Krummenacher, die Betreiber der Kulturwerkstatt in Kriens Obernau und Christian Vannay und seine Frau vom Tropfstei Ruswil, selbstverständlich auch Rita Kuster vom Entlebucherhaus und einige mehr welche ich zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht noch erwähnen kann.

Nach Weisswein, Apérogebäck und den urchigen Klängen der jungen Goldbachgielen geht's in den Saal des Hotels zum eigentlichen Festakt.

1000 Tage Kulturministerium: das Programm und die Links


Das Kulturministerium feiert 1000 Tage Bestehen in der Kulturhauptstadt Romoos

Deswegen traf man sich bekanntlich gestern in Romoos zum Festprogramm:

15.00 Uhr, im Gartenrestaurant des Hotels Kreuz,
Willkommensapéro mit den Goldbachgiele (Romoos) und Indoor-Goldwaschen“ mit Gerold Unternährer


Die Goldbachgiele in Aktion am Apéro

15.45 Uhr, Hotel Kreuz, grosser Saal
Grussworte von Gemeindepräsident Franz Koch, Nationalrat Ruedi Lustenberger und Kulturminister
Dominik Riedo.

16.30 Uhr, Start beim Hotel Kreuz, Eingang
Besuch des Köhlermuseums, der Kirche und der Totenkapelle von Romoos oder „Indoor- Goldwaschen“ mit Gerold Unternährer

18.00 Uhr
, Hotel Kreuz
Wählen Sie:
Lesetreffen mit Thierry Luterbacher, Gérald Chevrolet und Dominik Riedo
oder
Fussballapéro mit dem EM - Spiel: Schweden-Spanien

19.00 Uhr, Hotel Kreuz, grosser Saal
Nachtessen

20.00 Uhr, Hotel Kreuz, grosser Saal
Abendprogramm: Konzert der Ländlerformation Quantensprung


In den folgenden Beiträgen berichte ich kurz über die einzelnen Programmpunkte. Dort verzichte ich auf Links auf die einzelnen Pages. Weitere Links rund um die aktuelle Kulturhauptstadt Romoos finden sie übrigens hier.

Auf dem Weg in die Kulturhauptstadt der Schweiz

Der Zug und der Bus fahren nicht immer jede Stunde von Luzern nach Romoos, und just den Zug, der uns pünktlich zum Start der Veranstaltung nach Romoos gebracht hätte, gibt es nicht. Ich nehme also den Zug zuvor.

Schon die Reise zeigt, dass man sich in kultiviertes Gebiet begibt. Denn wer in Wolhusen ins Postauto steigt, wird noch freundlich mit einem "Grüessech" begrüsst. Ticketkontrolle scheint überflüssig, man sieht mir wohl an, dass ich eines habe.

Bei der nächsten Station steigt eine Frau aus und verabschiedet sich mit einem freundlichen "Ade metenand", was der Chauffeur selbstverständlich erwidert.

Etwas weiter hält der Chauffeur an und ein Auto überholt uns rechts und fährt in eine Seitenstrasse. Es hält, kurbelt das Fenster runter und bedankt sich, als der Chauffeur sagt, jetzt müssen sie noch 200 Meter gerade aus fahren und dann ist es gleich links.

Nach einer gemütlichen Reise mit dem Zug und dem Postauto gelangt man bereits nach gut 30 Minuten an das Ziel der Reise Romoos. Freundliches Verabschieden und Wegweisen hat übrigens nicht mal zu Verspätung geführt.

Bis um 15 Uhr hab ich jetzt noch Zeit mich im Hotel Kreuz zu verköstigen, und so hoffe ich, dass ich um halb zwei noch was zu Essen erhalte. Selbstverständlich, lautet die Antwort, und sogar eine halbe Stunde nach mir ist das kein Problem.

Eigentlich wollte ich Sie direkt von der Reise und aus Romoos mit Beiträgen und Fotos bedienen, aber mein Mobiltelefon gewährte mir keinen Empfang. So erwarten Sie jetzt einige leider zuerst noch bilderlose Beiträge zum Feiertag für 1000 Tage Kulturministerium.

Kultur und Sport - Kick 'n' Rush - EM

Einen weiteren Aspekt der eben gestellten Frage - was ist Kultur? - könnte man mit der Diskussion - Ist Sport Kultur? - beleuchten.

Nun - als Schweizer sag ich da doch, es gibt dafür und dawider - wieviel Kultur uns die momentane EM bringt, frage ich mich. Ein Volksfest, wie es die EM sein soll und wohl auch ist, hat klar seinen Reiz und wohl auch einen kulturellen Ursprung, ja vielleicht mit viel Goodwill auch noch einen solchen Hintergrund.

Und verstehen Sie mich hier bitte nicht falsch, ich bin durchaus an der EM interessiert und habe erst wenige Spiele verpasst, aber eben, es ist für mich Sport und nicht Kultur. Wir behaupten ja auch nicht Kultur sei Sport - oder?

Sie sehen, ich gebe dem Sport einen zumindest beinahe so hohen Stellenwert wie der Kultur. Würde es vielleicht so ausdrücken:
Die Kultur beschäftigt sich mit der intellektuellen Auseinandersetzung darüber, was sein soll, was ist , was wäre wenn und wieso das alles so sein könnte, so ist oder so zu werden scheint.
Ist somit Gymnastik für das Hirn und vor allem für Einstellungen und Meinungen. Lässt sie uns doch immer wieder unsere eigene Meinung reflektieren und in der Interaktion mit anderen hinterfragen.

Der Sport, die Leibesertüchtigung, beschäftigt sich damit, wie schnell, wie weit, wie hoch, wie elegant, wie gut, wie schön (oder ist es da vielleicht bereits Kultur?) etwas geworfen, geschossen, gesprungen, gerannt oder einfach gemacht werden kann. Und sorgt damit dafür, dass wir so fit sind (oder eben nicht!), die anstrengenden Gedanken der Kultur zu machen.

In Luzern treffen sich jedes Jahr Kulturaktivisten, Kulturtäter, Kulturelle, Kulturjournalisten, Künstler, Musiker, Kulturorganisatoren, Kulturmanager, Kulturfreunde, Kulturangefressene, Kulturnahe und sonstige Opfer und Abhängige der (von der) Kultur zu einem Fussballturnier (Kick'n' Rush) . Wie gesund diese plötzliche Leibesertüchtigung oder moderne sportliche Aktivität (zumindest für einzelne Protagonisten - wie mich) ist, sei nun mal ignoriert, aber vielleicht ist es ja so, dass dort viele der Teilnehmenden wieder den Kopf frei und Kulturfrustrationen weg schwitzen, um Platz für neue Kulturaktionen zu schaffen. So gesehen, gehören die beiden Freizeitbeschäftigungen halt doch eng zusammen.

Kultur & Sport - die wohl längste Praline - eh - - schönsten Nebensachen der Welt!

Kultur Tradition und Brauchtum

Die auf diesem Blog ab und zu diskutierte Frage - was ist Kultur? - steht heute im Zentrum. So folge ich der Einladung des Kulturministeriums nach Romoos und berichte über die Veranstaltungen.

Es beginnt ja bereits mit dem Wort "Kulturministerium"

Dass man Kultur verschieden definieren kann, lassen wir hier mal aussen vor, aber immer, wenn ich von dem "Ministerium" höre oder lese, denke ich an ein Mysterium und an mysteriöse Ereignisse. Nun wie mysteriös ist Kultur? Liegt es vielleicht daran, dass sie oft derart kritisch hinterfragt wird?
Auf jeden Fall scheint uns dieses Ministerium etwas näher daran bringen zu wollen , zu erfahren, was die die zauberhafte Faszination von Kultur ausmacht.

Darum begebe ich mich heute nach Romoos, in die aktuelle Heimat des amtierenden Kulturministers Dominik Riedo.

Das Programm finden Sie übrigens hier. Ich werde versuchen, Sie bereits während der Veranstaltung etwas auf dem Laufenden zu halten.

theQ
Beiträge 1 - 10 / 12